Shagya-Araber Namens-System

Scheinen Dir die Namen der Shagya-Araber in den Pedigrees auch sehr verwirrend? Irgendwie alle sehr ähnlich, anscheinend mit willkürlichen Nummern, die sogar mehrfach vorkommen? Und trotzdem soll gerade dieses System hilfreich sein, um sich einfach Abstammungen zu merken und Pferde zu identifizieren. Wie geht das?

Rahmen-Bedingungen

Stell Dir vor, Du betreibst ein Gestüt , in dem mehrere Hundert Fohlen pro Jahr geboren werden, von verschiedenen Hengsten. Es gibt noch keine DNA-Analysen, mit denen man die Abstammung eines Pferdes nachweisen kann. Geschweige denn, Computer, wo man alle Daten zu den Fohlen und Pferden speichern kann. Da ist es hilfreich, einfache Regeln anzuwenden, um die Namen zu vergeben und diese vereinfacht als Brandzeichen bleibend am Pferd anzubringen. Jedes Gestüt hat seine eigenen Nummernkreise, aber alle folgen dem gleichen System mit nur geringen Abweichungen.

Name des Fohlen

Die Stammgestüte der Shagya-Araber Zucht vergeben bei der Geburt des Fohlens den Namen des Vaters mit einer angehängten laufenden Fohlen-Nummer zur Identifizierung. Aus dem Namen kann daher immer sofort die zugehörige Hengstlinie erkannt und Vater identifiziert werden. Meine erste Stute hiess zum Beispiel TOBROK-62. Das heisst, sie war das 62. Fohlen des Hengstes Tobrok ox.

Fohlen-Nummer

Die Fohlen-Nummer kann fortlaufend über mehrere Jahre gezählt werden oder jedes Jahr neu bei 1 beginnen, je nach Gestüt. In manchen Gestüten zählen Stutfohlen und Hengstfohlen getrennt,. Das bedeutet, dass das 1. Hengstfohlen von einem Hengst den gleichen Namen erhält, wie das 1. Stutfohlen. So tragen zum Beispiel drei Fohlen von Amor, die in Babolna während seines Aufenthaltes dort geboren wurden, den gleichen Namen:

  • Gazal XII-1 Stute, geb. 15.11.1991 aus der 101 Farag (zählt schon zum Geburtsjahr 1992)
  • GAzal XII-1 Hengst, geb 06.03.1992 aus der 159 Shagya XLVIII
  • Gazal XII-1 Hengst, geb. 1994 aus der 101 Farag

Identifikation und Dokumentation

Amor wurde als Vertreter der Gazal-Hengstlinie Gazal XII genannt. Weitere Nachkommen von ihm in Bábolna tragen die Namen Gazal XII-2, Gazal XII-3 usw. Die eindeutige Idenfikation gelingt daher erst mit Geburtsdatum und dem Name der Mutter. Mit diesen Daten wird jedes Fohlen direkt nach der Geburt im Gestüts-Fohlenbuch vermerkt. Eine Spalte für den Namen des Vaters braucht dieses System nicht, da der Vater aus dem Fohlen-Namen erkennbar ist. Da die Mutter in ihrem Namen den Namen ihres Vaters trägt, zeigen diese beiden Angaben bereits drei Viertel der Abstammung des Fohlen, denn die Pedigrees der wichtigen Hengste kennt ein Züchter natürlich auswendig. Das Fohlen erhält noch vor dem Absetzen den Fohlenbrand, der Fohlen-Nr, Hengstlinie und Hengstlinie der Mutter und das Gestüt identifiziert.

Zuchtbuch-Nummer

Wenn die jungen Pferde erwachsen sind und in die Zucht aufgenommen werden, wird das mit der Eintragung in das Zuchtbuch dokumentiert (Stutbuch oder Hengstbuch je nach Geschlecht). In diesem Moment wird eine Zuchtbuch-Nummer vergeben, die unabhängig von der Abstammung einfach fortlaufend vergeben wird. Diese Zuchtbuch-Nr. wird dem Namen des Pferde vorangestellt. So zeigt der Name 3637 Gazal XII-1 an, dass das oben genannte Fohlen Gazal II-1 geb. 1994 unter der Stutbuch-Nr. 3637 verzeichnet ist.

Hauptbeschäler-Nummer (Pepinier)

Die Aufnahme eines Hengste in die Zucht erfolgt anfangs mit einem gewissen Vorbehalt. Erst wenn er auch durch seine Nachzucht zu überzeugen weiss, kann er zum Hauptbeschäler im Stammgestüt mit eigener Hengst-Nummer aufsteigen. So zum Beispiel der oben genannte Gazal XII-1 geb 1992, der unter der Zuchtbuch-Nr. 2990 eingetragen war und dann die eigene Nr XV erhielt. Er wird ab diesem Zeitpunkt Gazal XV genannt, die Zuchtbuch-Nr. und Fohlen-Nr werden nicht mehr genannt.

Die Lateinischen Pepinier-Nummern

Die Hauptbeschäler-Nummer wird in lateinischen Zahlen dargestellt. Dabei bedeuten

I ; II; III; 1; 2; 3
IV; V4; 5
VI; VII; VIII6, 7 , 8
IX; X9, 10
XI; XII; XIII11, 12, 13
XIV, XV; XVI; XVII; XVIII14, 15, 16, 17, 18
IXX; XX; XXI; XXII; XXIII; XXIV; 19, 20, 21, 22, 23, 24
XXV; XXVI; XXVII; XXVIII25, 26, 27, 28,
XXIX; XXX; XXXI; XXXII ff29, 30, 31, 32 ff
XXXIV; XXXV; XXXVI; XXXVII; XXXVIII; XXXIX34, 35, 36, 37, 38, 39
XL; XLI; XLII; XLIII; XLIV; XLV ff40, 41, 42, 43, 44, 45 ff
L; LI; LII; ff50, 51, 52, ff
lX; LXI; …… LXX; LXXX60, 61 …. 70, 80
XC; C; CI; CV; CX; CL; CXC: CC90, 100, 101, 105, 110, 160, 190, 120
Römische Ziffern für die Nummerierung der Hauptbeschäler

Logik der Pepinier-Nummern

Jeder Hengst erhält die jeweils nächste freie Hauptbeschäler-Nummer bei Eintragung, unabhängig davon, welche Nummer sein Vater hatte. Shagya IV muß nicht der Sohn von Shagya III sein und die Söhne von Shagya I müssen nicht II und III sein sondern können auch V und VII sein. Das passiert z.B. wenn ein anderer Hengst als Shagya II eingetragen wird, bevor die Söhne von Shagya I zu Hauptbeschälern aufsteigen

Es gibt keine festen Regeln, wie hoch die Hauptbeschäler Nummern gezählt werden, bevor wieder bei I angefangen wird. Die meisten Gestüte haben spätestens bei 50 (L) wieder mit I begonnen, Häufig treten aber bereits vorher große Ereignisse ein, so dass ein Neubeginn in der Zählung sinnvoll ist. So sind z.B. die Hengstnummern in Bábolna nach der Öffnung der Grenzen und dem dadurch erleichterten Austausch mit Hengsten aus Westeuropa die Hengst-Nummern auf I zurückgesetzt worden

Anpassung der Pepinier-Nummern bei Austausch zwischen den Gestüten

Wenn Hengste von einem Gestüt zu einem anderen wechseln, wird ihre Pepinier-Nummer an die laufende Nummer des neuen Gestüt angepasst. Oft werden beide Nummern parallel angegeben, wie z.B. bei Koheilan I/VIII ox.

Vorteile des Shagya-Araber Namen-Systems

Leichte Übersichtlichkeit, schnelles Merken der Hengstlinien, einfache Darstellung ganzer Pedigrees – sh. zum Beispiel das Stutbuch des Gestütskommandanten von Bábolna, Tibor von Pettko-Szandtner. Bestandteile des Namen können per Brandzeichen das Pferd eindeutig identifizieren. So konnten nach dem 2. Weltkrieg viele verstreute Pferde, die zufällig entdeckt wurden, eindeutig als Shagya-Araber identifiziert und ihre Abstammung rekonstruiert werden.

Grenzen des Systems

macht nur Sinn bei zentraler Anwendung, sonst entstehen komische Namen wie Shagya XXXIX-1-1 oder Shagya XXXIX-11. Führt zu doppelten Namen, die ohne Angabe von Geburtsjahr und Geburtsort verwirrend sein können und zu Verwechslungen führen.

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