Stammgestüt Babolna - Stutenherde mit Czikos

Stammgestüte der Shagya-Araber

Ursprung und Bewahrer: die Stammgestüte

Die Shagya-Araber haben das ungewöhnliche Glück, dass auch heute noch mehrere (relativ) große Staatsgestüte die Entwicklung der Rasse vorantreiben.

Zu Beginn der Shagya-Araber Zucht war es das militärisches und wirtschaftliches Interesse des Staates, geeignete Pferde in genügender Anzahl zu züchten. Deshalb wurden staatliche Gestüte gegründet und meist unter militärische Führung gestellt: die Stammgestüte der Shagya-Araber Zucht. Große Gestüte haben durch die größere Anzahl an Pferden und Fohlen umfassendere Übersicht über die Vererbung ihrer Zuchtpferde als private Gestüte.

Pferde sind ein Produkt der Scholle

Die Pferderasse „Shagya-Araber“ entstand in Staatsgestüten der KuK-Monarchie, die zum Teil heute noch aktiv sind und weiterhin Shagya-Araber züchten. Durch regen Austausch von Pferden konnten Vorzüge und Nachteile einzelner Gestüte immer wieder ausgeglichen werden.

Die Karte zeigt die geografische Lage wichtiger Stammgestüte der Shagya-Araber Zucht zu Zeiten der KuK Monarchie

Die Karte zeigt die Lage einiger der wichtigen Stammgestüte der Shagya-Araber Zucht zu Zeiten der KuK-Monarchie. Die weiten Entfernungen erschwerten den Austausch und zeigen die große Bedeutung, die dieser gegenseitigen Unterstützung beigemessen wurde. Neben geografischen Einflüssen durch Klima, Bodengüte und Bodenformen sowie dadurch beeinflusster Futtergrundlage spielen auch unterschiedliche Kultur und Personalausstattung eine wichtige Rolle für den Erfolg der Gestüte.

Die Stammgestüte im Einzelnen

Bábolna-Araber

Das Staatsgestüt Bábolna ist so eng mit den Shagya-Arabern verbunden, dass bei der Namensfindung der Rasse auch der Begriff „Bábolna-Araber“ im Raum stand.

Stutenstall in Bábolna, einem der Stammgestüte der Shagya-Araber

Bábolna hat sich spätestens mit den Erfolgen bei der Weltausstellung in Paris 1900 und später mit den Vorstellungen der Shagya-Araber auf Fahrturnieren durch Tibor von Pettko-Szandtner weltweite Berühmtheit für seine „Araber-Rasse“ erworben.

Bábolna wurde 1789 mit dem Auftrag gegründet, Pferde für Kavallerie und Landespferdezucht zu erzeugen. 1806 wurde der Beschluss gefasst und 1836 bekräftigt, den Typ zu vereinheitlichen durch ausschließliche Verwendung von Arabischen Hengsten.

Bábolna Nemzeti Ménesbirtok – bis heute aktiv

Nach wechselvoller Geschichte ist Bábolna heute wieder eine tragende Säule der inzwischen weltweiten Shagya-Araberzucht. Zur Zeit stehen ca 280 Pferde in Bábolna, die meisten davon Shagya-Araber. Daneben auch einige Vollblut-Araber, besonders der Koheilan-Linie.

Hart wie ein Radautzer

Mit ca 10.000 ha Fläche war Radautz das grüßte der KuK Gestüte. Durch seine Lage mit kargem Bewuchs und kontinentalem Klima ist es für seine harte Aufzucht bekannt, Zusätzlich werden die Jungpferde ausgiebig bewegt. Radautz hat sich besonders um die Linien Shagya, Dahoman und Mersuch gekümmert, aber auch El Sbaa, Siglavy und Koheilan eingesetzt. Berühmter Vertreter ist Shagya X 1899 geboren in Radautz.

Impressionen – Radautz 2011

www-Besuch in Radautz

Das Gestüt Radautz in Rumänien wird mit anderen Staatsgestüten wie Jegalia, Lucina, Mangalia von Romsilva verwaltet. Die Webseite des Gestütes ist z. Zt. nur in Landessprache verfügbar. Es gibt eine Liste der Deckhengste für alle Gestüte gemeinsam.

100 Jahre Staatsgestüt Topol’čianky 1921 – 2021

Die Pferdezucht in Topol’čianky begann am 15. Oktober 1921 auf dem Besitz des Erzherzogs Jozeph August von Habsburg zur Versorgung des Staates mit Araber-, Lipizzaner-, Nonius- und Warmblutpferden sowie Englischen Vollblütern und Huzulen.

Von dem ehemaligen habsburgischen Besitz in Topolcianky hat das staatliche Gestüt die historische Reithalle, alte Stallungen, Wiesen und Weideflächen übernommen. In moderater Höhe von 220 bis 480 Meter über dem Meer gelegen, hat das Gestüt sehr günstige klimatische Bedingungen mit viel Sonnenschein, von drei Seiten durch die Berge geschützt und sich in Richtung Süden zur Donauebene geöffnet.

Die Hauptaufgabe des Nationalgestüts Topol’čianky besteht in der Erhaltung der alten Kulturpferderassen Lipizzaner, Huzulen und Arabern in ihrem ursprünglichen Typus durch, strenge Linienzüchtung mit dem Schwerpunkt auf der Erhaltung des Genpools. Zusätzlich zur Pferdezucht ist das Gestüt auch durch die Organisation und Ausrichtung von Turnieren und von Pferderennen (Trab-, Galopp- und Hindernisrennen) berühmt geworden. Im Jahr 1981 wurde eine professionelle 1450 Meter lange Rennstrecke gebaut, auf der mehrmals im Jahr Rennen unter Teilnahme ausländischer Reiter und Fahrer veranstaltet werden. In vielen Stammgestüten waren Galopprennen oder Hindernisrennen Teil der Leistungsprüfung für Stuten oder Hengste,

ISG Europa-Championat zum Jubiläum – 2008 und 2021

Topolicianky im Web besuchen

Das Gestüt Topolcianky pflegt eine umfangreiche Webseite mit aktuellen Inhalten, auch auf Deutsch. Verkaufspferde und Deckhengste werden detailliert mit Bild vorgestellt.

Mangalia ist nur 500 m vom westlichen Ufer des Schwarzen Meeres entfernt. Es wurde 1926 hier platziert, um die besonderen geoklimatischen Bedingungen für die Haltung der arabischen Pferde zu nutzen. Das führte zur die Bildung eines ganz speziellen Typs der Araber von Mangalia. Zu Beginn züchtete Mangalia mit arabischen Pferden aus Jegălia, Cislău und Rădăuțz. Zwischen 1936 und 1941 hat das Gestűt neue Vollbluthengsteinien aus Polen importiert: El-Sbaa und Nedjari.

Das Gestüt von Mangalia ist das größte in Südosteuropa und beherbergt Arabisches Vollblut, Shagya-Araber und einige Ponys. Es verfügt über 580 Hektar, von denen 400 Hektar der Futterversorgung für über 350 Pferde dienen. Der Komplex verfügt über eine gut ausgestattete Rennbahn, das Hyppodrom Mangalia, einzigartig in Rumänien und speziell für Galopprennen entworfen, umfasst eine Fläche von 19 Hektar.

Die arabischen Vollbluthengste werden täglich von den Jockeys des Gestűts ausgebildet und im Trab und Galopp trainiert. Dazu nutzen sie auch den Meeresstrand, wo sie mehrere Stunden trainiert werden, zur Freude der Einheimischen und Touristen Ein gut gepflegtes Pferd kann in der Regel 30 Jahre alt werden. Der bisher älteste Hengst des Gestűts Mangalia ist Nedjari gewesen, König Michaels Hengst, der 1946 im ehrwürdigen Alter von 34 Jahren gestorben ist.

Kabiuk ist Bulgariens einziges erhaltenes Staatsgestüt, das älteste und bekannteste Gestüt des Landes. Seit 1864 betreibt das Nationalgestüt Kabiuk als Militärgestüt Pferdezucht, um Pferde für die türkische Armee zu liefern. Schon bald erreichte die Anzahl der Pferde etwa 1.000, doch während des russisch-türkischen Krieges 1877 – 1878 mussten alle Pferde nach Anatolien / Türkei ausgeführt und das Gestüt bis zum Herbst 1894 geschlossen werden.

Der Gestütshof umfasst 2832 Hektar. 2067 ha sind Ackerland, der Rest sind Wiesen, Weideflächen, Bebauungen usw. Das Unternehmen betreibt neben dem Gestüt ein Reservat, eine Rinderfarm und eine Schweinefarm sowie Ackerwirtschaft.

In der Anfangsphase im Herbst 1894 wurden die Gestüte geprägt von Arabern, Orlov Trabern, Ardenner Kaltblut und einigen Warmblutkreuzungen. Die meisten waren importiert aus Russland, Polen, Österreich-Ungarn und der Türkei. Die Gründung von zwei der Zuchtlinien, die heute noch in Kabiuks Zuchtvarianten vorkommen, entstanden in dieser Zeit: Das Ostbulgarische Reitpferd und der Shagya-Araber. Der Vollblut-Bereich wurde später – 1954 – gebildet, und die reine Araber-Vollblutzucht folgte 1977.
Mehr als 400 Pferde leben in Kabiuk. Jedes Jahr werden über 100 Fohlen geboren und über 90 Pferde mit unterschiedlichem Ausbildungsgrad werden in Bulgarien und in’s Ausland verkauft. Die derzeit gezüchteten Rassen sind Ostbulgaren, Shagya Araber, Vollblut-Araber und Vollblüter. Außerdem hält das Gestüt kleine Herden mit Shetland-Ponies und Haflingern.

Einer der größten Vorteile Kabiuks sind die weitläufigen Naturweiden, auf denen sich die Pferde im Frühjahr, Sommer und Herbst frei bewegen können. Neben dem üppigen Naturgras, das nahrhafte und vielfältige Fütterung sicherstellt, verhelfen die unendlichen Bewegungsmöglichkeiten den Jungpferden zur Entwicklung eines gesunden Bewegungs­apparates, stärkt ihre Gelenke und Sehnen und bildet eine starke ausgewogene Muskulatur.

Erstes Gestüt der Shagya-Araber Zucht: Mezöhegyes

Zuerst entstand 1785 in Südost-Ungarn das größte und wichtigste der ungarischen Staatsgestüte, Mezöhegyes,. Wegen der Pferdeknappheit erließ Kaiser Josef II. 1784 auf Ratschlag des führenden Experten, Rittmeister József von Czekonics, den entsprechenden Befehl. Man umgab eine Parzelle von 19.000 Hektar mit Graben und Baumreihe und errichtete eine herrliche Anlage, die 1785 eröffnet wurde. Später kamen die beiden Spitzenhengste Nonius Senior und Gidran ins Gestüt und begründeten dessen züchterischen Aufschwung. Ihnen folgten 1841 die Vollblüter Furioso und 1852 North Star, welche ebenfalls Gestütsrassen begründen konnten. Die ungarische Revolution von 1848 wütete auch in Mezöhegyes, danach begann die geordnete Reinzucht der Stämme. 1869 wurde Mezöhegyes, wie alle ungarischen Gestüte, an Ungarn übergeben und der Bestand erneut bereinigt. Zurück blieben die Gestütsrassen Gidran, englisches Halbblut und Nonius. Die Furioso- und Gidranstämme wurden mit großem Erfolg auf das Staatsgestüt Radautz erweitert. Heute Sportpferde- und Noniuszucht.

Das polnische Staatsgestüt Janow Podlasky ist vor allem für seine leistungsfähigen Vollblutaraber und auch für besonders sportliche Anglo-Araber bekannt. Nach dem Zusammenbruch 1919 in Folge des ersten Weltkrieges mußte der Pferdebestand komplett neu aufgebaut werden und man setzte dabei einige Stuten und Hengste aus Bábolna und Radautz ein. Darunter z.B. der 1922 geborene Koheilan VIII, der in Janow als Koheilan I so bekannte Nachkommen wie Jazmak, Lowelas, Opal oder Ofir oder den Anglo-Araber Kurde brachte. Jazmak ox war später Hauptbeschäler in Topolcianky. Unter den Vollblut-Araberstuten stachen Töchter des Radautzer Shagya X hervor, auf den gern Inzucht betrieben wurde. Um 1930 standen 28 Söhne und 200 Enkel von ihm im Zuchteinsatz. Sie fanden stets zuerst reissenden Absatz. In der Zucht des Araberhalbblut, wie die Shagya-Araberzucht damals hieß, stand großer Rahmen und Kaliber zur Verbesserung der bäuerlichen Zucht im Vordergrund. Außerdem bildeten die Araberhalbblut-Pferde die Grundlage für die Zucht der Angloaraberhalbblüter, die als Wirtschaftspferd und Vielseitigkeitspferd in Polen beliebt waren. Deshalb wurde Araberhalbblut vor allem im Gelände auf Ausdauer und Geschicklichkeit geprüft.

Der Austausch zwischen Janow mit Radautz und Bábolna begünstigt die Pflege und Entwicklung des Koheilan-Stammes, der von dort aus auch nach Tersk gelangte, von wo auch heute noch interessantes Blut in die Shagya-Araber Zucht gelangt, z.B. die Kosmonaut-Söhne Komet und Olymp.

Die staatlichen Gestüte hatten seit den Reformen des späten 18. Jahrhunderts die Aufgabe, qualitätsvolle Pferde, vor allem Beschäler, für die Deckstationen zu stellen und überschüssiges Stutenmaterial in die Landeszucht abzugeben. Die erste Garnitur der erzeugten Hengste fand nach einer Probezeit in den Hengstdepots der Landeszucht wieder in die Staatsgestüte zurück und wurde dann als Pepiniere bezeichnet. Die zweite Garnitur ging als Landesbeschäler auf die staatlichen Deckstationen. Die dritte Garnitur wurde an Privatzüchter oder Gemeinden abgegeben und als lizenzierte Hengste bezeichnet. Die vierte Garnitur wurde als Wirtschaftspferde verwendet oder privat verkauft, bzw. kastriert an die Armee abgegeben. Die staatlichen Gestüte und Hengstdepots befanden sich mit lebendem und totem Inventar im Eigentum der jeweiligen Ackerbauministerien Österreichs und (nach 1869) auch Ungarns.

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